Eishockey-Fans sehnen sich nach Rückkehr in die Stadien

Einleitung

Kontroverse Diskussionen unter Fans über die Zukunft des Eishockey-Sports gab und gibt es seit Mitte März, seit dem Abbruch der Eishockey-Ligen in Deutschland infolge der Corona-Pandemie.


Die Vereine und Verbände beschäftigten sich über den Sommer damit, wie man den Trainings- und Spielbetrieb wieder aufnehmen kann, aber auch wie man die Rückkehr von Fans und Zuschauern in die Eishallen ermöglicht. Derzeit werden die Ligen und Clubs noch von der Politik ausgebremst, auch wenn Club- und Ligenvertreter allmählich den Druck erhöhen. In einigen Bundesländern sind Wettkämpfe und Zuschauer in kleinen Mengen bereits wieder möglich, in anderen Bundesländern wie Bayern sind Zuschauer noch komplett untersagt.


Der Deutsche Eishockey-Bund präsentierte am 16. Juli 2020 ein rund 80-seitiges Konzept, das unter anderem die Rückkehr von Zuschauern in die Eishallen vorsieht. Dabei gibt es neben Blocktrennung, personalisierten Tickets und Einbahnstraßen-Regelungen im Grunde zwei Varianten:

  • Mit Mindestabstand von 1,5 Metern, Alltagsmasken-Pflicht und der reinen Sitzplatz-Benutzung ("jeder dritte Sitzplatz")
  • Ohne nötiger Einhaltung von Mindestabstand, aber mit entsprechender FFP2-Maskenpflicht, inklusive der zugelassenen Nutzung von Stehplätzen

Darauf aufbauend konnten die Vereine das Konzept an die lokalen Gegebenheiten anpassen, beispielsweise unter Berücksichtigung von Eingangs- und Ausgangsmöglichkeiten, Lüftungsaspekten oder der Verpflegungs- und Toilettensituation. Die ersten Clubs haben diese Konzepte auch bereits den örtlichen Gesundheitsbehörden vorgelegt, teilweise gab es auch schon Genehmigungen unter dem Vorbehalt, dass Zuschauer grundsätzlich wieder erlaubt sind.


Unklar war, inwieweit die Fans überhaupt „Lust“ haben die Eisstadien während der Corona-Pandemie und mit diversen Einschränkungen zu besuchen. Zahlreiche Diskussionen in sozialen Netzwerken oder Communities wie esbgforum.de, einem der größten Eishockey-Foren in Deutschland, drehten sich um die Rückkehr von Fans in die Stadien, allerdings ergab sich daraus kein klares Bild. Von den Vereinen dagegen hatte man teilweise den subjektiven Eindruck, dass man davon ausgeht, dass die Fans sowieso wie bisher in das Stadion kommen würden.


Aus diesem Grund wurde vom Betreiber von esbgforum.de eine Umfrage ins Leben gerufen, die über Internet-Communities und Social Media, unter anderem von der Fachzeitschrift „Eishockey NEWS“ verbreitet wurde.


Zusammenfassung

  • 2.893 Teilnehmer haben sich an der Umfrage beteiligt, die auf der etablierten Umfrage-Plattform surveymonkey durchgeführt wurde
  • Der Großteil der teilnehmenden Eishockeyfans will zurück in das Eisstadion. Die Maßnahmen, die dafür nötig sind, würden mitgetragen werden.
  • Wenn Preiserhöhungen für einen Livestream erforderlich sind, dann sind die Fans bereit höchstens 8 - 10 Euro pro Spiel zu bezahlen.


Die Auswertung der Fragen erfolgte nach Wichtigkeit und Tragweite.

Auswertung Frage 1)


  • 38,2% (1.105) der Teilnehmer würden alle Maßnahmen und Einschränkungen in Kauf nehmen, um in die Eishalle des Lieblingsclubs zurückkehren zu können
  • Weitere 26,17% (757) der Antwortenden würden in das Stadion gehen, solange das Hygiene-Konzept des Vereins und der Behörden gut umgesetzt wird
  • 8,40% (243) vermeiden den Besuch eines Eisstadions, solange die Pandemie herrscht. In diesem Fall würde man das Spiel lieber im TV oder per Stream verfolgen
  • 6,98% (202) würden nur unter "Normalbedingungen", also ohne Einschränkungen wie Masken und Abstandsregeln in das Eisstadion gehen,
  • Weitere Antworten entfallen auf detaillierte Antwortmöglichkeiten:
    • mit Abstandsregel, aber ohne Maske am Platz (8,61%).
    • mit Abstandsregel und normaler Alltagsmaske (6,74%),
    • ohne Abstandsregel, aber mit Alltagsmaske (3,49%),
    • ohne Abstandsregel, aber mit FFP2-Maske (1,42%)

Die Altersgruppe hatte auf die Antworten nur wenig Einfluss. Trotz des ansteigendes Gesundheitsrisikos infolge einer Covid-19 Erkrankung im Alter ab 50 Jahren würden hier nur rund 10% wegen der Pandemie nicht ins Stadion gehen. Auch in dieser Altersgruppe ist die Sehnsucht nach Normalität überwiegend hoch, die Einschränkungen würden in Kauf genommen und mitgetragen werden.


Auch die bevorzugte Platzwahl hatte Auswirkungen auf das Ergebnis. Während sich Stehplatz-Besucher grundsätzlich mehr ins Stadion zurücksehnen - knapp 42% würden alle Maßnahmen in Kauf nehmen, weitere knapp 25% gehen solange sie sich wohlfühlen würden - sind die Ansprüche bei Sitzplatz-Besuchern höher. Hier ergeben sich nur rund 58% aus den beiden Top-Antworten. Der Anteil derjenigen, die während der Pandemie nicht in das Stadion gehen wollen beträgt bei bevorzugtem Sitzplatz knapp 11%, bei Stehplätzen knapp 7%.



Auswertung Frage 5)




Während die Fans der DEL mit Magentasport von einem Monatsabo profitieren, läuft es in der DEL2 und Oberliga nach dem Prinzip „Pay per View“, z.B. über die Plattform sprade.tv, weitere Anbieter wie AI Sportswatch (Füssen, Herne) oder eigene Angebote (Halle). Der Fan bucht also ein einzelnes Spiel und muss dieses bezahlen. In der Vergangenheit lagen die Preise bei sprade.tv bei 6,50 EUR (DEL2) bzw. 5,50 EUR (Oberliga) pro Spiel. In der Umfrage wurden die Fans befragt, ob sie bereit wären mehr zu bezahlen, um dem Verein auf diesem Wege finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen, wenn man schon nicht in das Stadion kann oder will.

  • 32,27% bzw. 932 Teilnehmer wären nicht bereit mehr für eine Übertragung zu bezahlen, sie sehen sich bei den bisherigen Preisen schon am Limit
  • 25,73% (743) der Abstimmenden wären bereit eine geringfügige Anpassung mitzutragen, als Richtwert wurden in der Umfrage bis zu 8 Euro vorgeschlagen
  • 15,55% (449) der Antworten entfielen auf maximal 10 Euro pro Spiel
  • Soviel wie für einen Stehplatz (Preisspanne zwischen 13 und 16 EUR) würden 8,41% (243) der Teilnehmer bezahlen
  • Generell mehr als 10 Euro, aber weniger als 15 Euro würden 4,85% (140) bezahlen
  • Mehr als 15 Euro würden nur 50 Teilnehmer (1,73%) für ein einzelnes Spiel bezahlen wollen
  • Für 11,46% (331) war die Frage nicht relevant, da ihr Verein entweder keinen Livestream anbietet oder man z.B. ein Magentasport Monatsabo hat


Auswertung Frage 3)


Nach Ansicht des DEB und den mitwirkenden Experten am Hygiene-Konzept wäre es denkbar, dass man mit speziellen FFP2-Masken (ohne Filter) im Stadion und am Platz auf das Abstandsgebot von 1,5 Metern verzichten und Stehplätze öffnen kann, da diese Masken mindestens 95% der gesundheitsschädlichen Partikel filtern können.

  • 37,91% (1.094 Teinehmer) sind dafür, dass der Verein ein Kontingent an Masken für diejenigen bereit hält, die sich selbst keine organisieren konnten und an diese Personen verkauft
  • 21% (606) sind der Ansicht, dass die die Fans selbst um die Beschaffung der Masken kümmern sollen, da man diese Aufgabe den Vereinen nicht auch noch aufbürden kann
  • 17,01% (491) sind dafür, dass der Verein die Masken besorgt und mit dem Eintrittspreis an die Besucher ausgibt
  • 12,02% (347) sagen, dass der Verein die Masken besorgen und an die Fans verkaufen soll
  • 12,06% (348) haben sich der Stimme enthalten bzw. sehen diese nicht als relevant an.


Auswertung Frage 2)

Welchen Platz bevorzugst Du?


Unter den knapp 3.000 Umfrageteilnehmern bevorzugen

  • 56,62% (1.638) einen Stehplatz,
  • 34,46% (997) einen Sitzplatz
  • 8,92% (258) haben hierbei keine besondere Präferenz


Auswertung Frage 4)

Würdest du auch Auswärtsspiele besuchen?


Unabhängig von der Frage, ob Politik und Vereine Gästefans zulassen werden, würde gut die Hälfte (51,25%) der Teilnehmenden auch in der geplanten Spielzeit ein Auswärtsspiel besuchen.



Frage 6)

Zu welcher Altersgruppe gehörst Du?

Das Teilnehmerfeld hatte eine gemischte Altersgruppe, der Großteil entfiel auf die Gruppe zwischen 30 – 45 Jahren. Unter 18 und über 70 nahmen je nur rund 1 % an der Umfrage teil.


Was berücksichtigt die Umfrage nicht?

Aus der Umfrage gehen mehrere Dinge nicht hervor:

  • Es wurde nicht abgefragt, ob man z.B. „eingefleischter Fan“ , Dauerkartenbesitzer oder Gelegenheitszuschauer ist
  • Die Ligazugehörigkeit des Lieblingsclubs wurde nicht abgefragt
  • Knapp 3.000 Teilnehmer sind kein repräsentatives Ergebnis bei einem deutlich siebenstelligen Fanpotential über alle Eishockey-Ligen Deutschlands hinweg


Fazit

Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Fans ihre Vereine gerne unterstützen würden, was Besuche in den Eisstadien betrifft, aber durchaus auch bei Livestreams. Unabhängig von den Entscheidungen der Politik nehmen die Fans und Zuschauer Maßnahmen wie Maskenpflicht und/oder Abstand überwiegend in Kauf. Wichtig ist für die Teilnehmer aber, dass die Hygiene-Konzepte ordentlich geplant und auch in der Umsetzung durchgesetzt werden. Nur ein geringer Anteil der Fans würde während der andauernden Pandemiesituation von einem Stadionbesuch absehen oder beharrt auf dem Normalzustand.


Für einen Livestream können die Clubs mit rund acht Euro pro Spiel noch im akzeptablen Bereich der Fans sein, bei einer Erhöhung auf 10 Euro droht aber bereits ein Rückgang der Buchungszahlen. Alles was über die Grenze von 10 Euro hinaus geht stößt auf keine große Zustimmung und könnte negative Effekte haben.


Quellenangaben:

Hygiene-Konzept DEB: https://www.deb-online.de/wp-c…-Bund-e.V.-2020_07_15.pdf

SpradeTV: https://www.sprade.tv

AI Sportswatch: https://aisw.tv